Praktikum bei den Kampfschwimmern

Es ist Dienstagnachmittag 15:30 in Eckernförde. Jan zieht langsam seine Taucherflossen aus und klettert aus dem Wasser. Seine Beine schmerzen. Er ist froh, nach zwei Kilometern Schwimmen, endlich am Strand angekommen zu sein. Jan hat zusammen mit 18 weiteren jungen Männern den Traum, Kampfschwimmer zu werden – zu einer Spezialeinheit dazuzugehören. Tauchen, Fallschirmspringen, Kajak fahren und mit Schneemobilen an anspruchsvollen militärischen Operationen teilnehmen. Um seinen Traum zu verwirklichen macht der 18- jährige aus Koblenz ein Praktikum bei den Kampfschwimmern.

Kampfschwimmer können weltweit in allen Klimazonen eingesetzt werden. Meistens arbeiten sie nachts. Sie nutzen den Schutz der Dunkelheit und setzen auf den Überraschungsmoment. Sie können eingesetzt werden, um im Ernstfall Geiseln von einem entführten Schiff zu befreien. Aber auch aus einem Versteck heraus ein Aufständischen-Camp zu beobachten, gehört zu ihren Aufgaben. Abgerundet wird das Ganze durch den Auftrag, Sicherheitskräfte befreundeter Nationen auszubilden. Es gibt keine andere Einheit in der Bundeswehr, die das taktische Tauchen, das Arbeiten an Land und das Fallschirmspringen beherrscht. Genau das macht die Faszination für die anspruchsvolle Tätigkeit aus. Sie ist abwechslungsreich und herausfordernd. Langweilig wird es nie.

Das alles wollen die jungen Männer eines Tages auch machen. Dazu haben Sie sich im August 2015 freiwillig zu einem der härtesten Praktika Deutschlands angemeldet. Fünf Tage lang wollen sie einen praktischen Einblick in das Leben der Kampfschwimmer bekommen. Sie wollen testen, ob Sie das Zeug dazu haben, zu den Besten zu gehören.

Teilnehmer aus ganz Deutschland

Die Teilnehmer des Praktikums kommen aus ganz Deutschland. Nico wohnt in Berlin, Jannic kommt aus Köln und Niklas aus der Nähe von Kiel. Sie haben alle mehr oder weniger lange Anfahrtswege mit der Bahn hinter sich. Die Kosten für An- und Abreise sowie für Verpflegung und Übernachtung übernimmt die Bundeswehr. Ziel der Marine ist es, mehr junge Menschen für den anspruchsvollen Dienst bei der Bundeswehr zu begeistern. Die Kampfschwimmerausbildung zählt zu den größten Herausforderungen, der sich junge Menschen innerhalb der Bundeswehr stellen können. Deshalb schaffen nur rund 30 Prozent der Bewerber die gesamte dreijährige Ausbildung. Seit Jahren hat die Bundeswehr zu wenig Kampfschwimmer. Darum geht die Marine neue Wege, um Nachwuchs zu finden.

Volles Programm

Bei der Ankunft in Eckernförde werden die Teilnehmer von Oberleutnant zur See K. Wolf abgeholt. Er ist seit zwölf Jahren Kampfschwimmer und organisiert das Praktikum zusammen mit dem Stabsbootsmann (der Reserve) Wolfgang Raach und Frau Oberbootsmann J. Tesche. Jan und seine neuen Kameraden bekommen in der Kaserne einen kurzen Wochenüberblick: Sporttest, Hindernisbahn, Abseilübung, Übernachten im Wald, Mitfahrt in einem Schnellboot und das Zeigen der Kampfschwimmerausrüstung stehen unter anderem auf dem Dienstplan der Praktikanten.

Alle Teilnehmer bekommen Flecktarnhosen, Jacken und alles, was sie für die nächsten fünf Tage brauchen. Untergebracht sind sie in einer Art Lehrsaal. „Sie sollen spüren, wie es ist, mit mehreren Menschen auf engem Raum zusammen zu leben“, erklärt Oberleutnant zur See Wolf. Auch das gehört zum Arbeitsalltag eines Kampfschwimmers. Man arbeitet immer im Team und lebt manchmal eben auch auf engerem Raum zusammen. Nachdem sie die wichtigsten Informationen bekommen haben und im Lehrsaal ihre Feldbetten aufgebaut haben, gehen die Praktikanten rechtzeitig um 22:00 Uhr ins Bett. „Wir wollen ja Morgen fit sein“, meint Jan bevor er den Reißverschluss seines Schlafsackes zu zieht.

Erste Hürde: Körperliche Fitness

Der Montagmorgen startet mit einem gemeinsamen Frühstück in der Truppenküche. Danach bekommt jeder einen Tauchanzug, Schwimmflossen und weitere Ausrüstung zum Schwimmen im Meer. Direkt danach geht es auf den Sportplatz. Auf dem Plan steht ein Fitnesstest. Dies ist die erste Hürde, die man nehmen muss, um zur Kampfschwimmerausbildung zugelassen zu werden. In der Ausbildung endet hier schon der Traum vom Kampfschwimmer für den einen oder anderen Kandidaten. Der Sporttest beginnt mit einem 5.000 Meter-Lauf. 22 Minuten darf man sich maximal dafür Zeit lassen wenn man Kampfschwimmer werden will. Jan gibt alles und kommt nach 22:15 Minuten ins Ziel. Bei den folgenden Übungen wie Bankdrücken, Klimmzüge, Luftanhalten, Streckentauchen und 1.000 Meter schwimmen auf Zeit bringt Jan gute Leistungen. Er erreicht in diesen Disziplinen die Mindestvoraussetzungen. „Zwei Teilnehmer hätten den Sporttest komplett bestanden“, meint StBtsm Raach. Alle anderen waren in mindestens einer Übung zu schlecht. „Mit dem richtigen Training kann das aber in einem halben Jahr alles ganz anders aussehen“, erklärt Wolf. „Uns ist wichtig, dass die Praktikanten einen aktuellen Leistungsstand bekommen und am besten gut motiviert am Freitag nach Hause fahren.“

Arbeit in luftiger Höhe

Jan erlebt in den folgenden Tagen, wie es sich anfühlt Kampfschwimmerschüler zu sein, an seine körperliche Grenzen zu gehen und alles zu geben. Eben alles, was man braucht um ein Kampfschwimmer zu sein. Das Ausbilderteam Wolf und Raach sieht durchaus Potenzial bei den Praktikanten.

Der zweite Tag beginnt mit einer Abseilübung. An einem dicken schwarzen Seil rutschen die Praktikanten dem Erdboden entgegen. Durch verschiedene Gurte sind sie gesichert. „Wir nennen dieses Absetzverfahren „fast roping“ und nutzen es, um ein Team von einem Hubschrauber aus auf das Deck eines Schiffes zu bringen“, erklärt Oberleutnant zur See Wolf. Die ersten beiden Durchgänge waren aus Höhen von fünf und neun Metern. Den Abschluss macht das „ropen“ vom obersten Stockwerk aus zwölf Metern Höhe. Die Teilnehmer bekommen einen ersten Eindruck davon, wie es sich anfühlt, in luftigen Höhen zu arbeiten.

Element Wasser

Um 13:40 Uhr stehen alle im Tauchanzug und mit Flossen an den Füßen „angetreten“ an der Wasserlinie der Eckernförder Bucht. An einem Sicherungsseil sollen sie gemeinsam die ca. 2.000 Meter lange Strecke in den Hafen schwimmen. Das Zurücklegen von Strecken, ob mit Flossen, Schneeschuhen oder Stiefeln gehört zum Arbeitsalltag eines Kampfschwimmers. Nicht immer können sie auf motorisierte Hilfe zurückgreifen. Einmal muss es völlig lautlos sein, ein anderes Mal ist die motorisierte Hilfe im Einsatzland einfach nicht vorhanden.

Am Mittwochmorgen können sich die Füße erholen. Auf dem Dienstplan steht das Mitfahren mit den Einsatzbooten der Kampfschwimmer. Aufgeteilt in drei Gruppen geht es mit rund 60 km/h und einem Kompasskurs von 85 Grad der Sonne entgegen. Mit nassen Beinen und einem strahlenden Gesicht stehen die Praktikanten später gemeinsam an der Pier IV.

Übernachtung im Wald

Das nächste Ziel ist ein kleiner Übungsplatz in der Nähe von Eckernförde. Nach gut zwei Stunden Fußmarsch erreichen alle Praktikanten ihr Ziel. Jeder hat das Nötigste dabei, um die nächste Nacht im Wald zu schlafen: eine Zeltplane, ein Schlafsack, eine Isomatte, Wasser und Essen für drei Mahlzeiten. Die Übernachtung zwischen zwei Bäumen unter der Zeltplane ist für die Meisten eine neue Erfahrung.

Mit vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen geht es am Freitagvormittag wieder mit der Bahn nach Hause. Für Jan waren die Nacht im Wald und das Schwimmen in der Ostsee eindeutig die Highlights dieser Woche.

INFOBOX
Sporttest:

  • 5.000 Meter Lauf in max. 22 Minuten
  • 1.000 Meter Schwimmen in max. 24 Minuten
  • 60 Sekunden Zeittauchen
  • 30 Meter Streckentauchen
  • mind. 8 Klimmzüge im Ristgriff
  • mind. 15 Wiederholungen im Bankdrücken mit 50 kg
Bei Fragen Helfen wir ihnen gern weiter: 
 
Die Reportage ist zuerst auf der Seite der Deutschen Marine erschienen. Fotos: Bundeswehr

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