Die Wiedergeburt eines Seekriegsmittel

Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland (BRD) am 23. Mai 1949 aus den drei westlichen Besatzungszonen wuchs auch der Druck auf die Bundesregierung zu einer Wiederbewaffnung. Anstoß dazu lieferte ein Konflikt, der 15.000 Kilometer südöstlich des deutschen Staatsgebietes ausgetragen wurde: Der Koreakrieg.

Den Westmächten wurde bewusst, dass die Beteiligung Westdeutschlands – neben der Stationierung von Truppen und einer massiven Aufrüstung – notwendig ist. Nach geheimen Gesprächen mit Konrad Adenauer trafen sich durch ihn beauftragt 15 ehemalige Wehrmachtsoffiziere im kleinen Eifelkloster Himmerod. Einer der beteiligten ehemaligen Offizieren war Vizeadmiral Heye (der spätere Wehrbeauftragte des deutschen Bundestages). Die Tagung dauerte vom 5. bis zum 9. Oktober 1950. Ihr Ergebnis war die Denkschrift von Himmerod und damit eine der Grundlagen der Wiederbewaffnung Westdeutschlands.

Die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23. Oktober 1954 zum Beitritt in die North Atlantic Treaty Organisation (NATO) eingeladen. Der Beitritt erfolgte als vollwertiges Mitglied am 6. Mai 1955. Am 12.November 1955 wurde die Bundeswehr als militärische Struktur innerhalb der BRD gegründet und die Bundesmarine ( am 2. Januar 1956) mit den ersten aus der Labor Service Unit stammenden Schiffen und Booten ausgerüstet.

Obwohl Teil einer „Atlantischen Marine“, sah man das Einsatzgebiet der zukünftigen westdeutschen Marine in Nord- und Ostsee. Hierfür wurde der entsprechende Kräftebeitrag abgeleitet. Die Marine wurde eindeutig als eine Bündnismarine konzipiert. Der strategische Schwerpunkt lag in der Ostsee und sah defensive sowie offensive Einsätze, einschließlich amphibischer Landungsunternehmen im Rücken einer möglichen russischen Front vor.

Der Punkt der Landungs- und Kommandounternehmen wurde durch Vizeadmiral Heye schwerpunktmäßig bearbeitet. Hier war es zum einen die Absicht, gegnerische Landungsunternehmen zur Sicherung ihrer Heeresflanken abzuwenden, zum anderen der Schaffung von Kräften für „Kommandounternehmen und Landungen weit im Rücken des russischen Front, um Kräfte zu binden, und Unsicherheit zu erzeugen“. (Peter Monte, Die Rolle der Marine in der Verteidigungsplanung für Mittel- und Nordeuropa von den 50er Jahren bis zur Wende 1989/90). Diese Planungen sollten innerhalb der deutschen Marine ein neues Kapitel eröffnen: Die Amphibik.

Wie in allen Teilstreitkräften der Bundeswehr waren auch in der Marine die Männer der ersten Stunde ehemalige Wehrmachtssoldaten. Jeder militärische Vorgesetzte musste eingehend geprüft werden. Wurde er als unbelastet eingestuft, konnte er in die Bundeswehr übernommen werden. Die Zweifel an dem aus der Wehrmacht übernommenen Personal wurde der jungen Bundeswehr oft von Seiten der Politik zum Vorwurf gemacht. Bundeskanzler Adenauer antwortete sinngemäß zu diesem Vorwürfen: Die NATO nehme ihm keine 18-jährigen Generäle ab.

Mit Bildung des Kommandos der Amphibischen Streitkräfte in Wilhelmshaven wurde die nötige Kommandostruktur für amphibische Landungen geschaffen. Es folgte bereits 1959 die Umbenennung des anfangs genannten Marine-Pionierbataillons in das Seebataillon, das aus einer Bootskompanie, einer Strandmeisterkompanie, einer Strandpionierkompanie sowie einer Stabs- und Versorgungskompanie bestand.

Einhergehend mit dem Aufbau der Amphibik wurde der Marineführung die Notwendigkeit einer Kampfschwimmereinheit bewusst. Zu diesem Zeitpunkt verfügte jede NATO-Marine mit amphibischen Kräften über eine solche Einheit. Das notwendige Wissen für eine solche Einheit war jedoch in der Marine kaum noch vorhanden und erschwerend kam hinzu, dass das deutsche Militär an dem Entwicklungsprozess der letzten zehn Jahre nicht teilgenommen hatte. Also woher das Wissen nehmen?

Nach Erkundigungen bei den NATO-Partnern erklärte sich Frankreich zur Unterstützung beim Aufbau einer solchen deutschen Einheit bereit. Warum Frankreich? Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurde die Entwicklung der Ausrüstung und die Einsatzmöglichkeit der Kampfschwimmer von den Franzosen weiter getrieben. In ihrer Unterwasser-Forschungsarbeit unter Leitung von Jacques Cousteau entwickelten sie neue Tauchausrüstungen für militärische Zwecke.

„Wo findet nun ein neu entwickeltes System seine Bestätigung? Diese Möglichkeit bot den Franzosen der Indochinakrieg. Die Erfahrungen dieses Krieges bildeten nun den „“NAGEUR DE COMBAT“, der mit dem Kampfschwimmern des Zweiten Weltkrieges nicht mehr viel gemeinsam hatte. Früher lag das Einsatzgebiet des Kampfschwimmers nur im Wasser, jetzt ging der Kampfschwimmer auch an Land und operierte dort weiter.“ (KptLt a.D. Ulrich Wolfgang Sassen, Vortrag: Kampfschwimmereinsätze in der Vergangenheit – Erfolge in der Zukunft) Nachdem das Stammpersonal den sechsmonatigen Lehrgang von Januar bis Juli 1959 an der Tauchschule der französischen Kampfschwimmer im südfranzösischen St.Mandrier absolviert hatte – hierbei handelte es sich um WK II Kampfschwimmer, KptLt Günter Heyden und Maat Fred Langhans – wurde das benötigte Material angeschafft. Die Marine war somit bereit und die erste Ausbildung sollte in Deutschland durchgeführt werden. Als Ausbildungsort wurde die Insel Sylt gewählt. Der erste Kampfschwimmerlehrgang der Nachkriegsgeschichte begann unter Leitung von KptLt Völsch der fortan nur „Papa Völsch“ genannt wurde und OBtsm Walter Prasse am 1. Juli 1959 mit 13 ausgewählten Soldaten, drei Unteroffiziere und zehn Mannschaften. Einen Monat später wurde der erste Kampfschwimmerzug dem Seebataillon in Sengwarden mit Standorten in Eckernförde und Borkum unterstellt.

Das Fähigkeitsspektrum umfasste im Schwerpunkt vorerst die Spezialaufklärung des maritimen Umfeldes. Eingegliedert als Kampfschwimmerzug in die Strandmeisterkompanie übten und unterstützten die Kampfschwimmer amphibische Landungen, indem sie: Unterwasserlagebilder erstellten, Stranderkundung durchführten und zum Teil Strandmeisteraufgaben wahrnahmen. Die Kampfschwimmer trainierten hart, um das anfänglich neue Aufgabenfeld zu beherrschen und wurden schnell zu einem verlässlichen Mittel der Amphibischen Streitkräfte. Eigenständige Kampfaufträge waren jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorgesehen. Die Vorbereitung von Landungsunternehmen war Schwerpunkt.

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